Simson Guide

Einleitung

Aus gegebenen Anlass wollen wir euch einige Infos an die Hand geben, die euch bei dem Kauf eines Simson Mopeds helfen sollen. Leider sind viele Angebote von Betrügern online und so kann die Freude schnell verfliegen.

Beim Kauf gilt es auf einige Dinge zu achten, damit dem Spaß mit dem neuen alten Moped nichts mehr im Wege steht.

Vor dem Kauf: Nachwende Modelle erkennen

Simson Mokicks wurden größtenteils in der DDR gebaut. In der DDR galt die Regelung, dass Mokicks 60km/h fahren dürfen. Diese Regelung kommt daher, dass im Straßenverkehr im Schnitt 55-60km/h gefahren wird und ein “mitschwimmen” bei einer Höchstgeschwindigkeit von 50 oder sogar 45km/h nicht möglich ist.

Doch nun kommt das große “aber”: alle Simson Fahrzeuge die nach 1992 das erste mal zugelassen wurden genießen keinen Bestandsschutz mehr und sind nur auf 50km/h zugelassen! Zu erkennen sind diese “West Simsons” an anderen Motoren. Im Zylinder ist eine Stufe eingearbeitet, weshalb DDR Zylinder nicht passen. Außerdem lässt sich in den Fahrzeugpapieren ersehen auf welche Geschwindigkeit die Simson zugelassen ist. Auch Papiere von der “Simson Werke GmbH” sollten euch stutzig machen.

Vor dem Kauf: Reimporte erkennen

Der Markt wird zunehmend mit Reimporten aus Ungarn Tschechien, usw überschwemmt.
Diese Reimporte sind oft schon auf dem ersten Blick zu erkennen. Es fehlen die Fußrasten für den Sozius. Die Bohrungen, oder sogar die ganze Aufnahme um Rasten zu befestigen fehlen. Teilweise haben diese Modelle auch nur eine 40 kmh Beschränkung, sowie einen Sitzplatz. Diese Modelle haben Buchstaben in der Rahmennummer, wie zB ein “C”, “H”, “HA” oder “D”.

Für diese Modelle stellt das Kraftfahrt Bundesamt (KBA) keine Betriebserlaubnis aus! Diese Fahrzeuge sind nur über eine Einzelabnahme beim TÜV bzw Dekra mit erheblichen Kosten wieder legal auf die Straße zu bringen. Dann auch meist nur als 45km/h Variante.

Hier eine  original Antwort vom KBA auf den Antrag einer ABE eines solchen Mopeds (Name usw geändert):

Datum: 25.10.2015

Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) S51/1 – FIN 631XXX

Sehr geehrter Herr Moped,
vielen Dank für Ihren Antrag. Sie beantragen einen Nachweis über eine Allgemeine Betriebserlaubnis, die vom Kraftfahrttechnischen Amt der ehemaligen DDR für Ihr Fahrzeug erteilt wurde.
Reimportierte Fahrzeuge benötigen immer eine Einzelbetriebserlaubnis durch die örtlich zuständige Straßenverkehrsbehörde. Diese wird in der Regel ein Gutachten eines amtlich anerkannten Sachverständigen (a. a.S.) vor der Erteilung der Betriebserlaubnis fordern. Für solche Fahrzeuge ist weder die ABE der ehem. DDR noch eine ABE der BRD gültig. Oft werden die Ausstattungen sowie die Höchstgeschwindigkeiten solcher Fahrzeuge auch von den Festlegungen in den deutschen Betriebserlaubnissen abweichen, was der a.aS. feststellen muss.
Aus diesem Grund ist es mir leider nicht möglich, Ihnen den beantragten Nachweis über eine ABE auszustellen.
Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis.
Mit freundlichen Grüßen………..

Beim Kauf: “Papiere sind kein Thema”

Sprüche wie „Papiere hat er nicht, aber die sind leicht zu kriegen“ hört man immer wieder – vergesst es! So einfach ist es in den meisten Fällen nicht Papiere neu zu beantragen. Wenn es so einfach wäre, hätte der Verkäufer es selbst gemacht und der Kaufpreis wäre dann meist doppelt so hoch. Ein Fahrzeug ohne Papiere, zieht meist Kosten nach sich die nicht unerheblich sein können. Herkunftsnachweis des vorigen Halters, Kaufvertrag, Unbedenklichkeitsbescheinigung, Vorführung beim TÜV in einem tadellosen Originalzustand für eine neue Zulassung, Neubeantragung der Papiere, usw.

Wie oben bereits erwähnt werden für manche Fahrzeuge die Anträge auf eine ABE Zweitschrift abgelehnt. Wenn der Verkäufer also behauptet, die Papiere könne man super leicht für 15€ beantragen sollte jeder sich die Frage stellen, wieso er dies nicht selber schon getan hat. Mit unter ist es tatsächlich ein Reimport oder ein gestohlenes Moped!
Im Idealfall liegen einfach Papiere vor.

Die Probefahrt

Der technische Gesamteindruck und der Pflegezustand sagen viel über ein Fahrzeug aus.
Glatte Reifen, defekte Lichter, kaputte Bremsen, Dreck in jeder Ritze oder Wartungsstaus ohne Ende schließen meist auf Besitzer die dem Fahrzeug wenig Gutes getan haben. Auch eine „angeschweißte Ölablassschraube“ wurde bestimmt nicht werksseitig montiert. Fragt auch nach dem Grund warum der Verkäufer das Fahrzeug verkaufen möchte, ob es Schwierigkeiten gemacht hat und, ob er damit zufrieden war. Auch von Bedeutung kann es sein, woher der Verkäufer eventuell Ersatzteile bezogen hat, wenn einmal etwas kaputt gehen sollte.

Testet das Fahrzeug bei einer Probefahrt. Prüft alle Bedienelemente und das Fahrverhalten. Achtet auf ungewöhnliche Geräusche. Umbauten sollten vom TÜV in die Papiere eingetragen sein. Umbauten jeglicher Art, egal ob bei Mofas, Mopeds oder Motorrädern müssen vom TÜV abgenommen werden, sofern keine ABE für das Teil vorhanden ist.

Prüft ob die Simson noch spurtreu fährt und ob der Schwinger gängig ist. Sind evtl Lenker- oder Sitzbankschlösser vorhanden gilt nach den Schlüsseln zu fragen. Eine Schwalbe Sitzbank aufzubrechen möchte man sich lieber sparen.
Danach schaut ihr, ob Getriebeöl im Motor ist. Besonders S50 Motoren neigen dazu Getriebeöl zu verbrennen, da der innere Wellendichtring defekt ist. Dies zeigt sich erst, wenn das Getriebeöl ständig “leer” ist. Ein solcher Defekt bedeutet: Motor spalten. Hört euch den Motor an und prüft den Kraftschluss der Kupplung. Rasselt der Motor deutlich? Beim anfahren mit leicht gezogener Bremse darf die Kupplung nicht durchrutschen.

Auch auf Dinge wie eine schiefe Telegabel, nicht funktionierende Bremsen, oder krumme Felgen sollte man achten.
Die meisten Verkäufer werden Dinge sagen wie: “Ach, das Ding kostet bei AKF 2€” oder “Ahwatt Simson Zylinder kriegst doch hinterhergeworfen”. Dies mag stimmen aber bedenkt, dass bei einem Kaufpreis von 500€ und 25 Defekten à 2€, plus evtl. Einbau einer Werkstatt oder eines Bekannten schnell das Budget gesprengt wird. Solche Aussagen sind absolut unnötig.

Nach dem Kauf:

Nun aber genug Gemecker und Geschimpfe. Nicht immer muss ein Kauf ein Reinfall sein, oft kauft man einfach ein Moped und ist glücklich. In der Regel müssen noch Kleinigkeiten gemacht werden. Selbst wenn das Moped sich als Bastelbude oder Pfuschorgie herausstellen sollte; keine Panik. Mit Zeit, etwas Geld und Geduld lässt sich so ziemlich jede Karre wieder herrichten.
Wenn ihr nun also ein Simson Mokick gekauft habt, dann ist der erste Schritt das Ablassen des Benzins. Keiner weiß, welches Altöl mit 20 Jahre alten Benzin im Tank ist. Vielleicht ist sogar gar kein Öl drin, also raus damit und frischen Sprit 1:33 tanken (mindestens die erste Tankladung, danach 1:50).
Danach folgt der Wechsel des Getriebeöls. Nachdem dies erledigt ist wünschen wir Euch, dass sich keine weiteren Mängel aufdecken. Bitte nehmt die Funktionsfähigkeit eurer Bremsen und Beleuchtung super ernst. Im Fall der Fälle müssen beide Bremsen ordnungsgemäß verzögern, das kann entscheiden über Leben und Tod!!! Auch die Beleuchtung sollte funktionieren.
Für nicht viel Geld könnt ihr diese Dinge in Ordnung bringen. Ein neuer Satz Bremsen (vorne+hinten) kostet gerade einmal 15€.

Wenn all dies erledigt ist wünschen wir euch jederzeit viel Spaß und gute Fahrt mit eurem Mokick!

 

Wir hoffen, dass dieser kleine Guide dem ein oder anderen etwas geholfen hat.

 

Hier noch ein gutes Videos von unseren Kollegen der 2-Takt Brigade!